Hesperbrück  (12)    < 

 

Die Kreuzung Hesperbrück in Werden-Hamm wird von den Straßen Pörtingsiepen, Hespertal und Hammer Straße gebildet. Der heute nicht mehr gebräuchliche Name rührt von der Brücke über den Hesperbach. Diese Kreuzung war lange Zeit der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Hespertals. Reich an Bodenschätzen, entwickelte es sich seit dem späten Mittelalter zu einer reichen Gewerbelandschaft. Mehrere Mühlen und Eisenhämmer nutzten die Wasserkraft des Hesperbachs, in Schleifkotten wurden Acker und Hausgeräte ausgeschmiedet.
Daneben siedelten sich Betriebe an, die die reichlich vorhandenen Bodenschätze abbauten. Kohleführende Gesteinsschichten an den Waldhängen des Hespertals lieferten Steinkohle. So wurde schon 1578 vom Richrader Berg in der Nähe von Hesperbrück Kohle abgebaut und lt. Vertrag der Kohlenzehnte an den Abt von Werden geliefert.

 

Eine ähnlich lange Tradition hatte auch der Erzbergbau im Großraum Velbert. Neben Blei und Alaun wurden hier vor allem Eisenerze abgebaut. Schließlich brannte man in Velbert-Hefel den
in Steinbrüchen gewonnenen Kalk.


Im Zuge der Industrialisierung stieg die Nachfrage nach Rohstoffen beständig an. Der Lütticher Kaufmann G. A. Lamarche investierte daher 1851 in die vorhandenen Grubenfelder auf Velberter Gebiet. Doch deren ungünstige Lage abseits der wichtigen Verkehrswege gestaltete den Abtransport der gewonnenen Rohstoffe schwierig. Aus diesem Grund errichtete man 1852/53 eine schmalspurige Pferdeschleppbahn von den Gruben bei Heiligenhaus bis zu denen in Velbert. Sie war das erste Teilstück der späteren Hespertalbahn.


Als 1854 die Eisenhütte Phoenix AG in Hinsbeck (heute Kupferdreh) ihren Betrieb aufnahm, pachtete sie 1855 die Lamarche-Grubenfelder und sicherte sich auf diese Weise ihre 

Rohstoffgrundlage. Kurz danach verlängerte sie die Pferdebahn durch das Hespertal bis zur Hütte in Kupferdreh. Doch die 1857 eröffnete Strecke änderte nichts daran, dass die Gruben nicht so ertragreich waren wie erhofft. Schon 1872 schloss die letzte Erzgrube in Velbert.


Mit der Gründung der Phoenix AG änderte sich die Situation der Gewerbelandschaft Hespertal grundlegend. Zahlreiche Gewerbe gaben ihren Betrieb auf, einige wenige zog es näher an die Wasserstraße der Ruhr. Die in Velbert-Hefel liegende Zeche Stolberg errichtete 1870/71 an der Kreuzung Hesperbrück drei Kalktrichteröfen, 1883/84 dann einen der damals modernsten Kalkringöfen. Auch der Bergbau siedelte sich in der Nähe der Ruhr an. Nach Gründung der Gewerkschaft Ver. Pörtingsiepen und dem Abteufen von Schacht II intensivierte die seit dem 18. Jahrhundert existierende Zeche Pörtingsiepen die Kohleförderung.


Zechenhäuser, Siedlungen und Lokale entstanden im Hespertal. Zwei Schulen existierten bis 1969 und die Kapelle „Zur Schmerzhaften Mutter Maria” hat ihre eigene Geschichte. Die Verlagerung der Industrie zur Ruhr hin sicherte zunächst auch den Fortbestand der
Hespertalbahn. Insbesondere die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in Velbert-Hefel neu eröffneten Kalksteinbrüche machten die Bahn rentabel. Kalk wurde in der Phoenix AG als Zuschlagstoff für die Eisenverhüttung gebraucht. Er war auch ein wichtiger Rohstoff für die Bauindustrie und diente als Dünger in der Landwirtschaft. Folglich rüstete man 1879 die schmalspurige Pferdebahn, die bis Hesperbrück fuhr, auf den Betrieb mit Dampflokomotiven um. Auch der Bergbau auf Pörtingsiepen verlangte nach einer verbesserten Verkehrs-Anbindung.

Seit 1878 verkehrte eine Normalspurbahn von Kupferdreh bis zum Bahnhof Hesperbrück.
Anfang des 20. Jahrhunderts stellten auch die verbliebenen Kalkwerke ihren Betrieb ein und entzogen der Phoenix damit eine ihrer Rohstoffgrundlagen.


1914 kam es zur Schließung dieser Kupferdreher Hütte. Die Schmalspurgleise von Hesperbrück nach Velbert wurden 1917 abgebaut und der Militärverwaltung übergeben. Lediglich die Zeche Ver. Pörtingsiepen förderte bis 1973 Kohle zutage.

Von dort führt heute noch die Hespertalbahn nach Kupferdreh. 

 

Nach rund 400 Jahren Gewerbe und Industrie ist das Hespertal heute ein beliebtes Naherholungsgebiet.

 

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